N3tzwerk unterstützt den „Branchendialog Automobil“ in Thüringen

In Thüringen wird der Wandel in der Automobilindustrie ein Schwerpunktthema der dortigen Wirtschaftspolitik. „Wir starten einen breit angelegten ‚Branchendialog‘ zur Zukunft der Zulieferindustrie in Thüringen“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee beim Weimarer Wirtschaftsforum Ende Mai. Initiiert vom Wirtschaftsministerium und dem im letzten Jahr gegründeten Thüringer Bündnis für Industrie, soll dieser Branchendialog alle relevanten Akteure aus Unternehmen, Gewerkschaften und Hochschulen in Thüringen zusammenbringen, um neue Ideen für die Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilwirtschaft zu entwickeln.

Der „Branchendialog Automobil“ wurde im Rahmen eines Workshops auf dem Weimar Wirtschaftsforum gestartet. Der Workshop wurde vom Geschäftsführer des N3tzwerks Zukunft der Industrie, Armin Schild geleitet. Mit ihm diskutierten Prof. Dr. Klaus Dörre – Professor für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Roland L. Emig – Geschäftsführer der Saalfelder Werkzeugmaschinen GmbH, Dr. Michael Militzer – Vorsitzender des Vorstandes der auto-motive Thüringen e.V. und Michael Bätz – Niederlassungsleiter Ernst & Young Region Sachsen-Thüringen.

Alle Diskutanten waren sich einig, dass der Transformationsprozess der Automobilindustrie bereits begonnen habe. Nun sei es an der Zeit,  gemeinsam Handlungsvorschläge die anstehendenden Herausforderungen der Branche zu erarbeiten Dazu soll eine erste große Dialogveranstaltung im September 2017 stattfinden.

„Der Automobilbau ist ein zentraler Innovations- und Wachstumstreiber für die Thüringer Wirtschaft“, so der Minister in einer Pressekonferenz. Zu den Stärken der Branche zählten insbesondere die breite Aufstellung, das Vorhandensein einer relativ großen Zahl von so genannten „hidden champions“ sowie die hohe Qualifikation der Beschäftigten. Nach Einschätzungen einiger Branchenexperten könnten durch den Strukturwandel jedoch bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Automobilbranche bedroht sein, wenn nicht schnell reagiert werde.

Zu den Herausforderungen der Zulieferbranche zählen laut einer Expertise der Friedrich-Schiller-Universität Jena insbesondere der wachsende internationale Konkurrenzdruck, die Abhängigkeit von den großen Automobilkonzernen, die Kleinteiligkeit und – damit einhergehend – die zu geringe Investitions- und Innovationsfähigkeit in Thüringen, neue Entwicklungen wie Digitalisierung und alternative Antriebstechnologien sowie die steigende Fachkräftenachfrage. „Als Land werden wir uns dabei vor allem auf jene Fragen konzentrieren, für die wir aus eigener Kraft eine Lösung entwickeln können“, sagte Tiefensee. Der angestrebte Branchendialog werde sich daher auf die drei Themenbereiche „Standortbedingungen und Infrastrukturentwicklung“, „Innovation und Technologie“ und „Fachkräftegewinnung“ konzentrieren.

Wichtigster Ansatzpunkt ist aus Sicht des Wirtschaftsministers allerdings eine stärkere Zusammenarbeit der vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Thüringen. „Die Zukunft für die Thüringer Branche liegt in einer regelmäßigen, projektbezogenen Kooperation“, sagte Tiefensee. Nur durch eine solche kooperative Wertschöpfung werde es der Branche gelingen, ausreichend Innovations- und Investitionskraft zu entfalten, um die anstehenden Umbrüche zu bewältigen. „Ziel muss es sein, in der Thüringer Branche eine Reihe von Systemlieferanten zu entwickeln, die durch die Fertigung technologisch höherwertiger, komplexerer Komponenten ihre Stellung in der Wertschöpfungskette ‚Automobil‘ sichern und weiter ausbauen können.“ Das Land unterstütze diese Bemühungen schon heute beispielsweise durch die Förderung der Verbundforschung und die Schaffung digitaler Plattformen. Mit dem Thüringer Innovationszentrum Mobilität stehe der Branche in Thüringen zudem ein fächerübergreifender Ideengeber zur Verfügung.

Organisatorisch und konzeptionell unterstützt wird der Thüringer „Branchendialog Automobil“ vom bundesweiten N3tzwerk Zukunft der Industrie e.V. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt mit einem eigenen Projekt den Gesellschaftlichen Dialog in den Regionen. Thüringen ist eine von sechs Modellregionen, die vom Netzwerk begleitet werden.